KOMPASS GRÜN

Kunststoffe – pro und contra

In seinem Vortrag „Kunststoffe – pro und contra“ im Rahmen der Reihe KOMPASS GRÜN in der Auwiesenschule erläuterte Prof. Frank Huster, Neckartenzlingen, zunächst die historische Entwicklung von Kunststoff. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte man, selten gewordene Rohstoffe wie Elfenbein oder Seide durch künstlich hergestellte Materialien zu ersetzen. Kunststoffe waren damals so selten und begehrt, dass sogar Schmuck daraus gefertigt wurde. In der ersten Hälfte des 2o. Jahrhunderts folgten die Erfindungen von Bakelit, Plexiglas und Nylon.

Ab den fünfziger Jahren beschleunigte sich die Produktion zu der unvorstellbaren globalen Menge von etwa 4oo Millionen Tonnen Kunststoff im Jahr 2o18. Weder im Fahrzeugbau noch in der Medizintechnik ist der Einsatz von Kunststoffen verzichtbar. Ein breites Spektrum an sehr preiswerten Produkten trägt erheblich zu unserem hohen Lebensstandard bei.

Aber das ist nicht zum Nulltarif zu haben. Für Kunststoffe werden Kohle, Öl und Erdgas verbraucht, bei der so genannten thermischen Entsorgung (Verbrennung) entstehen große Mengen an Treibhaus- und Giftgasen. In vielen Kunststoffen sind Formaldehyde und/oder Weichmacher eingebunden. Kinderspielzeuge aus Kunststoffen sollten weichmacherfrei sein, aber nur ganz wenige dieser Stoffe sind ausreichend untersucht.

Überraschend ist auch die große Menge an Feinstaub, die durch den Abrieb von Reifen, Straßenoberflächen und Sportplatzbelägen entstehen und die Luftqualität langfristig belasten. Kleine und kleinste Kunststoff-Partikel landen nicht nur im Meer, sondern über Nahrungskreisläufe auch in unseren Körpern. Die Menge der zu entsorgenden Verpackungen ist etwa doppelt so groß, wie die Menge an Kunststoffresten aus Bausektor, Textilbereich und Elektronik.

‘Kreislaufwirtschaft’ heißt das Zauberwort der Gegenwart, also die Wiedergewinnung des Ausgangmaterials durch Recycling. Derzeit werden erst etwa 2o% der gesamten Müllmenge aufbereitet, der Rest wird verbrannt.

Zu lösen sind die anstehenden Probleme nur gemeinsam: Verbraucher und Industrie müssen ihre Verhaltensweisen ändern, die Politik muss regelnde Maßnahmen vorsehen. Kurze Gebrauchsdauer von Produkten ist ebenso zu vermeiden wie Einmal-Produkte und Einweg-Verpackungen

 



Carsharing hier bei uns?

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe war am 17. Juli 2019 Bernhard Münst in der Alten Schule in Neckartenzlingen zu Gast, um als Vorstandsmitglied des Vereins Stadtmobil e.V. über den Stand der Entwicklung des Carsharings zu berichten. Immerhin existiert das Modell Carsharing bereits seit 30 Jahren, inzwischen widmen sich auch die großen Automobilhersteller diesem Thema durch Gründung eigener Verbände.

Keine Frage – der Eindruck ständig zunehmenden Verkehrs sowohl auf den Straßen unserer Gemeinde als auch auf den umgebenden Landesstraßen verstärkt sich von Tag zu Tag. Inzwischen registrieren wir sogar Staus durch  Pendlerverkehr nach und aus Stuttgart. Zunächst ist nicht zu bestreiten, dass der Nutzung des eigenen Pkws auf dem Lande eine deutlich andere Bedeutung zukommt als in der Stadt. Während in der Stadt und in die direkt benachbarten Orte ein dicht getaktetes System aus S-Bahnen, Bussen und Regionalbahnen zur Verfügung steht, hat die Entwicklung des ÖPNV in unseren ländlichen Bereichen nicht Schritt gehalten. Müßig, darüber zu diskutieren, ob nun der ÖPNV nicht kostendeckend arbeitet, weil der Autofahrer nicht umsteigen will oder nicht umsteigen kann, weil (noch) die entsprechenden Angebote fehlen. Es war also die Frage zu klären, ob es eine Chance gibt, auch bei uns die Zahl der Autos zu reduzieren,  ohne alle Mobilitätsansprüche aufzugeben.

Immerhin besitzen im ländlichen Raum (Studie Mobilität in Deutschland (MiD 2017 – Analysen und Konzepte für ländliche Regionen in Baden-Württemberg) 52 % aller Haushalte mindestens ein  Fahrzeug, 37 % sogar zwei oder mehr. Wozu? Zwei Arbeitsplätze in der Familie? Oder nur Kinder zur Schule, zum Einkaufen, ab und zu zum Arzt? Jeder muss selbst prüfen, ob seine Bedürfnisse eine Reduzierung des eigenen ‘Fuhrparks’ ermöglichen.

Carsharing als Alternative in kleineren Gemeinden?
Besonders interessierte natürlich die Einrichtung eines Car-sharings in kleineren Gemeinden wie den unsrigen. Immerhin muss man sich kein eigenes Fahrzeug kaufen und unterhalten, selbst im Fall einer Ferienreise kann man sich im Rahmen des abgeschlossenen Vertrages das erforderliche Fahrzeug ausleihen.
Münst hat in seinem Vortrag auch die Tarifstruktur von Stadtmobil vorgestellt, die auf individuell unterschiedliche Fahrleistungen eingeht und auch für Geschäftskunden interessante Angebote enthält. Inzwischen gibt es mehrere Orte, die sogar weniger Einwohner als wir haben, in denen Carsharing erfolgreich praktiziert wird. Geeignet ist ein stationsgebundenes Modell, d.h., das Fahrzeug muss zum ausgewiesenen Standort (möglichst eine Anschlussposition des ÖPNV) zurück gebracht werden. Gebucht wird über eine App, abgerechnet über ein Vertragskonto. Wünschenswert für den Betrieb ist natürlich eine Mindestzahl von Benutzern, wobei man überlegen wird, ob nicht private Nutzer zusammen mit ortsansässigen Produktionsfirmen und Dienstleistern einen gemeinsamen Nutzerpool bilden. Auch mit den benachbarten Orten wird man reden, und selbstverständlich wird man die Gemeindeverwaltung – schon wegen der Standortfrage – einbinden müssen.

Mobilität im ländlichen Raum?
Im Anschluss an den Vortrag entwickelten sich noch eine lebendige Diskussion über die Entwicklungsansätze der Landesregierung in Bezug auf den ÖPNV und natürlich auch die Frage, wie abgelegene Ortsteile und dort wohnende ältere Mitbürger im besten Sinne des Wortes ‘mitgenommen werden’. Deutlich wurde, dass Carsharing nur einen Teil des Mobilitätsproblemes lösen kann, Mobilität ist ganzheitlich zu erörtern und so bestand abschließend der Wunsch, dieses Thema in absehbarer Zeit noch einmal auszuleuchten.

Kontakte:
Stadtmobil e.V., Bernhard Münst, Telefon 0160/550 18 57
Peter und Ulrike Bauer, Telefon 07127/32741

Frank Huster


Die Europäische Union:  Erreichtes – Kritik – Chancen

Im Rahmen seiner Vortragsreihe KOMPASS GRÜN hatte der Ortsverband Aichtal – Neckartal Michael Bloss als Kandidaten für die im Mai dieses Jahres anstehende Wahl zum Europäischen Parlament eingeladen.

Nach einer Einführung über das Entstehen und den aktuellen Status der EU erfolgte zunächst eine weltpolitische Einordnung. Durch das Nebeneinander verschiedener Kenndaten wie Flächengröße, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft wurde deutlich, welche Bedeutung die Europäische Union hat. So hat – das ist nicht unbedingt allen gegenwärtig – die EU deutlich mehr Einwohner als Russland und die USA zusammen.

Die Internetseite von Michael Bloss finden Sie unter www.michaelbloss.eu Die EU kann das – Klima, Frieden, Globale Gerechtigkeit

Fast beiläufig wurde den Zuhörern bewusst, dass bestimmte Werte und demokratische Ordnungen im Nebeneinander der Machtblöcke USA/Russland/China derzeit allein der EU zugeordnet werden können. Nach Erläuterung der einzelnen Gremien der EU und ihrer Zuständigkeitenim Gesetzgebungsprozess rückte Michael Bloss die Mittelverteilung und deren Grundlagen in den Fokus: Zunächst für alle Teilnehmer überraschend, dass der  gesamte Haushalt der Union nur etwa 1% des gesamten Bruttonationaleinkommens der Mitgliedsländer beträgt.

Die Länder zahlen gerechterweise analog zu ihrem BNE in die Union ein, dessen Höhe resultiert wiederum in großen Teilen aus Arbeit und Handels erfolgen in und mit den  Mitgliedsländern. Natürlich war auch die sogenannte Ost-Erweiterung der EU Vortragsthema. Michael Bloss räumte ein, dass diese vielleicht zu rasch und ohne gründliche Prüfung erfolgt ist. Anderseits warten in diesen Ländern viele Bürger auf den wirtschaftlichen, rechtlichen und wertebezogenen Anschluss an die EU.

In den lebendigen, sich an den Vortrag anschließenden Diskussionen, wurde zunächst auf die Bedeutung der EU als gemeinsames Friedensprojekt hingewiesen. Immer öfter hat man den Eindruck, dass die Schrecken der beiden Weltkriege verblassen,
da man diese selbst nicht erlebt hat.

Auch die Freizügigkeit in Bezug auf Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital sahen die Teilnehmer als hohes Gut. Wem ist schon gegenwärtig, dass im ERASMUS-Programm jedes Jahr 400 000 Jugendliche in anderen Ländern der EU studieren oder arbeiten. Viele Fragen gab es zur unterschiedlichen Zuständigkeiten von EU und den und den  Mitgliedstaaten andererseits. Während z.B. Fragen zum Binnenmarkt, zur Handels-, Währungspolitik und Zollunion in die ausschließliche Zuständigkeitder EU fallen, sind Inhalte der Energiepolitik, des Verbraucherschutzes und der Umweltpolitik gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten zu behandeln.

Von den Diskussionsteilnehmern wurden vor allem die Aktivitäten der EU in Richtung gemeinsamer technischer und ökologischer Standards hervorgehoben. Dabei wünscht sich nicht nur Michael Bloss für den nächste Legislaturperiode eine ausgewogenere – sprich deutliche andere – Verteilung der Mittel zu Gunsten einer ökologischen Landwirtschaft.

Die lebhafte Diskussion hätte man länger fortsetzen können, abschließend mussten aber noch die anstehenden Wahlen angesprochen werden:
– Einen Ruck in Richtung eines neuen Nationalismus können wir abwenden.
– Dazu ist der Mut der Zivilgesellschaft notwendig und dafür ist eines im Mai ganz wichtig: Wählen gehen!

Frank Huster